Das Online Magazin zum Berliner Nahverkehr mit Online-Archiv

Das Online-Archiv zum Berliner Nahverkehr

Vorort- und Ausflugslinien

Kurz  angerissene Tarifentwicklung ab 1929. Das Thema ist sehr vielseitig, bei entsprechender Lesernachfrage wird hier noch erweitert.

Ausflugsbusnetz (1928) der ABOAG

Übersichtskarte der täglichen Vorort- und sonntäglichen Ausflugsverbindungen (1928).  Die Karte ist in voller Größe (pdf-Datei) im BVS-Textarchiv unter der Signatur O_001 abrufbar

Neben den Autobuslinien im inneren Stadtgebiet führten einige Linien im damals noch schwach besiedelten Randgebiet der Stadt Berlin und verbanden das Vororte mit den städtischen Randgebieten. Für die Vorortlinien der BVG galten besondere Vororttarife, ebenso die das Berliner Stadtgebiet übergreifende Linien in benachbarte Städte und Gemeinden.  Bis 1929 wurden diese Vorort- und teilweise nur an Sonn- und Feiertagen verkehrenden Ausflugslinien unter der Linienbezeichnung Dreieck zusammengefasst. Unter Führung der BVG wurden für die Vorortlinien, die täglich verkehrten, Buchstaben als Linienbezeichnung eingeführt. Diese Buchstabenlinien verkehrten täglich im Gegensatz zu den Dreieck -Linien, die nur dem Ausflugsverkehr dienten und daher nur an Sonn- oder Feiertagen verkehrten. Für die Buchstabenlinien galt ein spezieller Vortorttarif, für die Dreieck- Linien ein Sondertarif ohne Umsteigeberechtigung. Mehr zum Thema “Ausflugsverkehr” siehe unter Berliner Verkehrsseiten -> Autobus -> Linien - Ausflugsverkehr.

1929 betrieb die BVG 6 Vorortlinien. Grundsätzlich entwickelte sich folgende Einteilung der Tarifunterscheidung an den Fahrzeugen:

Nummern als Linienbezeichnung

Stadttarif, Bestimmungen siehe unter “Tarifwesen ab 1929”

Linien mit Buchstabenkennzeichnungen (Ausnahme Strassenbahnlinie 120)

Vororttarif mit Umsteigeberechtigung

Dreieck - Linien

Sondertarif ohne Umsteigeberechtigung

Sonderfahrten - Linienverkehr

Sonderfahrpreise je Sonderfahrt (Ausflugsfernverkehr)

Vorortlinien 1929 - 1945 (Buchstabenlinien und einige Nummernlinien im Randbereich der Stadt)

Die Vorortlinien hatten ab 1929 relativ feste Preise. Für die Fahrt auf der gesamten Linie war ein Fahrpreis von 30 Pfennig bis 45 Pfennig (für Schüler etwa den halben Preis) angesetzt worden. Auf eine detaillierte Auflistung der Fahrpreise nach Linie und Tarifjahr haben wir hier bisher verzichtet, sollte das Interesse der Leser sich hier bestärken fügen wir das gerne nach. Schreiben Sie uns!

Haltestelle der Linie F zur Eröffnung (1929) der Linie geschmückte Haltestellenmaste

Teilstrecken (meist von Linienpunkt in Berlin bis zur Stadtgrenze, Ausnahme Linie P) auf dem Berliner Stadtgebiet wurden zum Stadttarif angeboten. Fahrgäste, die mit einem Umsteigefahrschein Stadttarif von Stadtlinien auf den Bus überwechselten und die Vorortlinie auf der gesamten Länge benutzten, mussten einen Zuschlag von 15 Pfennig (Schüler 10 Pfennig) entrichten.

Die Linie P (Zehlendorf Mitte - Potsdam, Glienicker Brücke) bildete hier eine Besonderheit, da sie auf Berliner Stadtgebiet verkehrte. Hier endete der Stadtlinientarif bereits ab Rathaus Wannsee Richtung Potsdam.  In den Sommermonaten ab 1932 verkehrten Einsetzwagen auf der Linie P zwischen Zehlendorf Mitte und Strandbad Wannsee zum Stadtlinientarif.

Teilstreckenfahrschein Linie P (7/1932)Abb.o.l.: Fahrschein Teilstrecke Linie P,

Maße: 6,5x4 cm, vom Abrißblock

Abb. u.: Schüler ganze Strecke Linie P (1932)

(1932) Fahrschein "Schüler" der Linie P

Reichsbahn- Überstiegsfahrscheine wurden bis August 1932 nur auf den Vorortlinien F und T ausgegeben. Anerkannt werden sie jedoch auf den Linien F, G, S, T gegen Entrichtung eines Zuschlages von 5, auf der Linie P von 10 Pfennig, sofern die Fahrt länger als der Stadtlinientarif gültig ist, gemacht wird.  Ab August 1932 wurden diese kombinierten Fahrscheine auch auf der Vorortlinie S ausgegeben, für die Fahrt über die Stadtgrenze ist ein Zuschlag von 5 Pfennig erforderlich.

Zum 1. September 1933 wurde der Vororttarif neu festgelegt. Auf den Linien A22, A33, A36 und A41 war unverändert für eine einfache Fahrt ohne Umsteigeberechtigung nur 15 Pfennig (Schüler 10 Pfennig) erforderlich. Auf den Linien A31, A35, A37 und A39 kostete die einfache Fahrt ohne Umsteigeberechtigung 20 Pfennig, Schüler 10 Pf. Man konnte auch hier Teilstrecken zu 15 Pfennig wählen. Auf den Linien A17, A26, A27, A34, A40 und A42 betrugen die Fahrpreise für die gesamte Strecke 30 Pfennig (Schüler 15 Pfennig). Wählbar waren Teilstrecken zu 20 und 15 Pfennig.

Bei den Buchstabenlinien waren nun auch Kurzstrecken zu 15 Pfennig möglich. Auf den Linien G, S und T wurde mittlerweile der Stadttarif angewendet. Für die komplette Strecke der Linie F waren 35 Pf. (Schüler: 20 Pf.), Linie  P 40 Pf. (20 Pf.) erhoben worden.

Linienkarte BVG (1937): Umland- und Ausflugsverkehr

Übersichtskarte des Ausflugsverkehrs, bzw. der Vorort- und Stadtlinien, mit denen Ausflugsziele erreicht werden können (1937).

1937 wurden bereits 13 Buchstabenlinien betrieben: A Stahnsdorf - Güterfelde, B Seestr. Frohnau, C Malchow - Ahrensfelde, D Friedrichstr. - Dahlwitz, F Spandau - Falkensee, G Tegel - Glienicke, H Lichtenberg - Hönow, K Sakrow - Kladow - Groß Glienicke, M Ruhleben - Stahnsdorf, P Zehlendorf - Potsdam, R Teltow - Ruhlsdorf, S Pankow - Schildow, T Moabit - Teltow.

Der gesamte Flyer liegt für die Leser im Online-Archiv  unter der Signatur O_004 der Berliner Verkehrsseiten aus und kann hier betrachtet werden (pdf, 3  Seiten, 1,57 MB).

Dreieck - Linien 1929 - 1945 (Ausflugsverkehr)

Dreieck-Linie zum Strandbad Wannsee (Sommer 1931)

Die Sonderlinien wiesen unterschiedliche Tarife und Bestimmungen auf.

<Eine Ausarbeitung des Thema wird noch vorbereitet. Siehe dazu zunächst Dokumente im Textarchiv der Berliner Verkehrsseiten>

Fernlinien 1929- 1945

Fernbuslinien der BVG (1937) (nur Sonn- und Feiertag)

Pause für Schaffner und Fahrer (1931)Ab 1929 betrieb die BVG ein stetig wachsendes Angebot an Fernlinien, die ausschließlich dem Ausflugsverkehr dienten. Daher verkehrten sie nur an Sonn- und Feiertagen ab 8 Uhr. Die Fahrpreise lagen deutlich über denen der Dreieck -Linien bis zu 25 Reichsmark (mit Übernachtung und Kahnfahrt im Spreewald). Verwendet wurden ausschließlich Reisebusse, die auf den langen Strecken einen deutlich höheren Komfort boten. Siehe dazu auch einige Dokumente im BVS Online Textarchiv, bspw. zum Reisewagen mit Glasdach (Signatur O_126).

Das Fernbusnetz (nur im Sommerhalbjahr an Sonn- und einigen Feiertagen angeboten) erfuhr eine sehr große Nachfrage und wurde bis 1937 stetig erweitert.

Eine Übersicht der Fahrpreise im Ausflugsfernverkehr (Saison 1934) bietet das Dokument im BVS Online-Textarchiv (Signatur O_011).

Sonderlinien 1929 - 1945

Zu Kulturveranstaltungen verkehrten ebenso zusätzliche Fahrzeuge. Für den Autobus galt der Sondertarif auf Theaterwagen (ohne Umsteigeberechtigung) 30 Pfennig (Schüler 15 Pfennig).

Ausflugsverkehr 1945 - 1991

Werbeplakat Ausflugsverkehr der Ostberliner Verkehrsbetriebe (BVG-Ost) 1967

Die ausführliche Darstellung des Ausflugsverkehrs (sowie des Schmetterling- Sondertarifes bei der BVG-West) finden Sie unter -> Berliner Verkehrsseiten -> Omnibus -> Linien.

Dreiecklinien zum Werbellinsee (1959)

Bannerlogo_eisenbahnsammlershopSommerverkehr zum Werbellinsee (1959). Foto mit freundlicher Genehmigung des Eisenbahn-Sammlershops

Schon früh nach dem Krieg begannen beide Verkehrsbetriebe (Ost und West) ein Ausflugsangebot an den Sonn- und Feiertagen wieder anzubieten. Der BVG-West war es aufgrund der politischen Situation nicht möglich, den Ausflugsverkehr außerhalb der Westsektoren anzubieten. Hier war die BVG-Ost zuständig und bot Fahrten nach Summt, Lübben sowie zahlreiche weitere Fahrten, teilweise in Kombination mit der Weissen Flotte (städtische Reederei).

Ausflugsverkehrs- Angebot der BVG (Ost)  Saison 1959

Im BVS-Online Textarchiv finden Sie zahlreiche weitere originale Informationspublikationen über das damalige Angebot, dem Sie auch die Fahrpreise entnehmen können.

Mit Einführung der 3-stelligen Liniennummern für den Autobusverkehr in Berlin und Brandenburg entfiel die Dreieck-- Bezeichnung. Das Ausflugsangebot in die Mark Brandenburg wurde privaten Busanbietern und Reedereien überlassen. Der spezielle Wagenpark für den Sonderverkehr wurde bei der BVG aufgegeben, lediglich einzelne Wagen für die Stadtrundfahrten, teilweise mit offenem Oberdeck, wurden neu angeschafft.

Heute wird auf das bestehende Linienangebot verwiesen. Die einzige richtige Ausflugslinie der BVG verkehrt ab 2008 wieder nur in den Sommerferien unter der Liniennummer 312 (S-Bhf. Nikolassee - Strandbad Wannsee) zum VBB-Normaltarif.

Quellen und weiterführende Literatur:

  • Die Fahrt Heft 13/1929, Seite 2 (Einführung Linie S), Heft 15, Seite1 (Tarif)
  • Die Fahrt Heft 14/1929, Seite 2 (Linie 22 Hessenwinkel)
  • Die Fahrt 17/1929, Seite2/3: Tarifwesen, Linie Tegel
  • Die Fahrt 22/1929, Seite 23, Tarifwesen Gepäck auf den Linien F und S
  • Die Fahrt 22/1929, Seite 24, Linie G
  • Die Fahrt 8/1930. Seite 189/190, Der Omnibus im Berliner Vorortverkehr
  • Die Fahrt 15/1932, 16/1932 (Tarifwesen F, P, Zuschlag)
  • BVG-Pressemeldung (Linie 312)
  • Unterlagen aus dem BVS Online-Archiv: Signaturen O_001 bis O_047

Zusammengestellt: M. Jurziczek von Lisone, 5/2011

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