Die Pfaueninsel

Die Pfaueninsel

Pfaueninsel 1842 bis heute

Friedrich Wilhelm IV. liess im Jahr 1842 den Großteil der Tiere in die neu gegründete zoologische Gesellschaft Berlin überführen. Der Tierbestand der Pfaueninsel diente als Grundstock für den heutigen Berliner Zoologischen Garten im Berliner Tiergarten.  Eine Auflistung aus dem Jahr 1842 zeigt die Artenvielfalt:

Nachweisung der Gebäude und des Thierbestandes der Königlichen Menagerie auf der Pfaueninsel am 31. Mai 1842

1. Affenhaus:

1 Mandarill-Affe, 4 Kapuziner-Affen, 1 grüner Affe, 1 Macti, 3 Javaner-Affe, 1 Klammer-Affe, 1 Löwe vom Senegal, 1 Tiger-Katze aus Brasilien, 2 Wasch-Bären, 1 Aguti aus Ostindien, 2 Murmel-Thiere, 2 Thibet-Katzen, 1 Fischotter

Es erhält der zoologische Garten die Gebäude und die Thiere

2 Känguruhhaus:

3 Känguruh

3 Schaafstall:

17 thibetanische Ziegen, 1 Ziegenbock mit 4 Hörnern, 4 Ziegen, 1 amerikanische Ziege, 20 schottische Schaafe, 12 schottische Junge, 3 agyptische Schaafe, 1 Astrachenschaaf, 4 ungarische Schaafe, 6 junge spanische Schaafe, 4 spanische Schaafe, 1 Mufflon-Schaaf, 4 Zebu, 3 Zebu kleine Kühe, 1 Zebu Kalb, 2 Hunde

Es erhält der Garten die Thiere, welche er gebrauchen kann, das Gebäude bleibt auf der Pfaueninsel

 4. Lamahaus:

2 Lama aus Peru

Die Thiere erhält der Garten, nicht die Gebäude

5. Meierei:

4 Büffel, 1 Kalb

 6. Bärengrube:

3 Bären aus Rußland

 7. Wolfszwinger:

2 Bären, 3 Bisam-Schweine

Der Garten erhält Thiere und Gebäude

8. Stall für wilde Schweine:

3 Schweine

Thiere und Gebäude bleiben auf der Pfaueninsel

 9. Bieber-Bau:

2 Bieber

10. Adler-Haus:

2 Seeadler, 1 Schreiadler, 1 Schnee-Eule, 2 Baum-Eulen

Der Garten erhält Thiere und Gebäude

11. Voliére:

2 Nachtreiher, 4 Löffelreiher, 1 Kranich, 1 Wasserhuhn, 4 weiße Lachtauben, 5 graue Turteltauben, 2 Turteltauben, 2 wilde Tauben, 8 Hühner, 1 goldgelbes Huhn, 6 podolische Hühner, 6 türkische Hühner, 3 Strupphühner, 2 Condor, 1 Erpel, 2 junge Erpel, 6 Crammets-Vögel, 1 Schwarz-Amsel, 2 Dompfaffen, 8 Lerchen, 2 Kanarien-Vögel, 9 verschiedene Vögel

Der Garten erhält die Thiere, welche er gebrauchen kann. Die Gebäude bleiben auf der Insel.

12. Ententeich und Voliére für Wasservögel:

12 Pfauen-Tauben, 50 Fluf-Tauben, 12 chinesische Gänse, 2 Bernicket-Gänse, 1 Gans mit drei Füßen, 2 Sandwichs-Gänse, 1 schwarzes Schwein, 15 podolische Enten, 7 Surinamer Enten, 15 türkische Enten, 8 März-Enten, 5 Zwerg-Enten, 6 junge Perlenten, 2 columbische Enten, 6 junge Schell-Enten, 2 Rohrdommeln.

13. Hühnerzwinger:

7 Puthen, 1 Perlhuhn

Es bleiben Thiere und Gebäude auf der Pfaueninsel

14. Fasanerie:

32 Fasanen, 5 Puthen, 1 Perlhuhn, 18 Hühner

15. Im Freien:

6 weiße Störche, 2 schwarze Störche, 5 weiße Pfauen,, 48 blaue Pfauen

16. Dachsbau:

1 Dachs

Der Garten erhält Thier und Gebäude

Hierdurch fiel dem Berliner Zoologischen Garten in Berlin das Affenhaus, das Kanguruhhaus, die Bärengrube, der Wolfszwinger und das Adlerhaus zu. Im selbigen Jahr (14. Januar 1842) fiel das Lamahaus auf der Pfaueninsel einem Feuer zum Opfer, in den auch die Tiere qualvoll verendeten

<- Zeichnung Lamahaus (vom Verfasser)

Der König gab die Insel jedoch nicht völlig auf. Er pflegte des öfteren mit dem Schiff dorthin zu fahren, um einige Stunden die Romantik der Insel und somit die idyllische Ruhe zu genießen. Während der März-Revolution im Jahr 1848 wurde sie auch der vorübergehende Aufenthalt des ungeliebten Prinzen Wilhelm von Preussen (Kartätschenprinz), dem durch das militärische Eingreifen in der Achtundvierziger Revolution empfohlen wurde, nach London zu flüchten. Er zog zunächst in den kritischen Tagen des Jahres 1848 aus dem Berliner Stadtschloß in die Spandauer Zitadelle. Dort wurde er vom wütenden Volk entdeckt und so zog er weiter in ziviler Kleidung per Boot auf die Pfaueninsel, wo er um 2 Uhr in der Nacht des 21. März 1848 ankam. Das Boot wurde bei Ankunft versenkt, damit niemand irgendeinen Argwohn schöpfte. Nach einem zweitägigen Aufenthalt ging die Reise des Prinzen im Wagen weiter und er gelangte nach einigen Zwischenfällen nach Hamburg und von dort nach London. [4-50], [1-68, -69, 70, -71]

Ein anderer denkwürdiger Tag für die Insel war der 13. Juli 1852, über den uns die Überlieferungen folgendes berichten:

Kaiser Nikolaus von Rußland war am preußischen Hof zu Besuch eingetroffen und zu gleicher Zeit erschien die berühmte Tragödin Rachel (etwa 1820 in der Schweiz geboren bis 1858), um in Berlin ein Gastspiel zu wiederholen. Der König, der hiervon erfuhr, gab dem Hofrat Schneider den Auftrag, die Tragödin für eine Vorstellung vor den versammelten Hof zu engagieren. Die Rachel sagte natürlich zu, da sie ein Auftreten im Neuen Palais oder im Stadttheater zu Potsdam vermutete. Am Nachmittag des festgesetzten Tages traf die Künstlerin in Begleitung ihres Bruders auf dem Bahnhof in Potsdam ein, wo sie von Hofrat Schneider empfangen wurde. Die Situation des letzteren war eine ziemlich peinliche geworden, da es ihm trotz aller Bemühungen nicht gelungen war, Order für ein bestimmtes Festprogramm zu erhalten. Die Schauspielerin verlangte Auskunft über alles, und der Hofrat, durch die direkten Fragen in die Enge getrieben, musste ihr gestehen, dass die Vorstellung auf der Pfaueninsel stattfinden solle, es aber an jeder Vorbereitung fehle und dass alles in der Macht ihrer Erscheinung und ihres Könnens gegeben sei. Die Rachel geriet über diese Zumutung in höchste Aufregung und stieß grollend mit dem ganzen ihr gewohnten Pathos die Worte aus: “ Suis-je une danseuse de corde ambulante?! Je ne jouerai pas!” (übers.: “Bin ich eine Seiltänzerin?! Ich werde nicht spielen!”)  Auch ihr Bruder ist empört und bestürmt die Schwester sofort abzureisen. Schneider dringt sie, zu bleiben und zu spielen. “Jamais”! ist ihre Antwort und macht Miene, aufzubrechen. Die diplomatische Beredsamkeit des Hofrates wußte aber ein Fiasko zu vermeiden. Er stellte vor, dass der König in dem absichtlich Weglassen der Bühne ihr eine feine geistreiche Ehrenerklärung ausspreche, denn wenn die Bühne den Darsteller stets von dem Zuschauer absondere, gleichsam gesellschaftlich abtrenne, so sei sie heute durch den Umstand, mit dem Allerhöchsten Herrschaften auf demselben Boden zu stehen, als zur Gesellschaft gehörend zu betrachten. Ferner erinnert er sie mit beredten Worten an Moliére, der in ähnlicher Situation am Hofe Ludwigs XIV. die größten Triumphe gefeiert habe. Die Künstlerin wurde wankend, aber ihr Bruder ließ nicht davon ab, ihr das Erniedrigende dieser Vorstellung vor Augen zu führen. Da griff Schneider zu einem letzten Mittel. Er wusste, dass der berühmten Schauspielerin ungemein daran lag, in Petersburg, dass ihr seit 1848, wo sie von der Bühne herab als Göttin der Freiheit die Marseillaise gesungen hatte, verschlossen war, wieder Zutritt zu gewinnen. Der Hoffmann schilderte ihr mit lebhaftesten Farben, welch ein Eindruck es auf den Kaiser machen müsse, wenn er heute Abend erfahren würde, dass die Rachel es abgelehnt habe, zu erscheinen, wie sich aber andererseits ihr eine glänzende Gelegenheit böte, den Kaiser zu versöhnen, wenn sie doch spiele. Dieses Argument war kräftig und sie erwiderte: “Je jouerai!”.

Inzwischen war es dunkel geworden und die Hofgesellschaft hatte am Schloss im Kreise links auf dem Kiesweg und rechts auf dem Rasenplatz Aufstellung genommen. Erwartungsvolle Stille lagerte auf der großen Gesellschaft, feierliche Ruhe atmeten Baum und Strauch, die laue Sommernacht hatte sich mit ihrem ganzen unaussprechlichen Zauber niedergesenkt, der balsamische Duft des nahen Rosengartens würzte die Luft und nur das Plätschern und Murmeln einer Fontaine unterbrach das erwartungsvolle Schweigen.

Da tritt die Tragödin schnell hervor, ihr Bruder ergriff ein in einer Glasglocke steckendes Licht und stellte sich mit dem “Racine” neben die Schwester, um ihr gleichzeitig Beleuchtung und Stichworte zu geben. Mit würdevollen Schritt nähert sie sich der Rasenkante, und unwillkürlich mitergriffen vom Zauber der Szenerie, dem Ungewöhnlichen und der vornehmen Gesellschaft spielt sie mit entsetzlicher Wahrheit die wutschnaubende, in ihrem Stolz und Herschbegier gekränkte, die sich rettungslos Verlorene, und dem Heiligsten fluchende “Athalia” aus Racines gleichnamiger Tragiöde. Sie hatte die  Schlußszenen gewählt, in welcher sie den Tempel gedrungen ist und vom Hohenpriester den Knaben Joas verlangt:

Ce que tu más promis, songe á exécuter: Cet entfant, ce trésor, qu´il faut qu´on remette, Oú sont-ils?

 

Statuette der Tragödin Rachel auf der Pfaueninsel (1926) , Foto aus: [4-Abb28]

Grausen und Entsetzen packte ob dieser Erscheinung, die der Hölle entstiegen zu sein schien, die Zuhörer. Sie war in dieser weihevollen Kunststunde als Weib und Künstlerin die erhabenste und großartigste Jüngerin der Mimik. Atemlos lauschten alle, und jeder staunte dies wunderbare Weib an. nach einer Pause trat sie in der Rolle der Phädra von Racine und schließlich noch in der “Adrienne Lecouvreur” auf. Der Erfolg entsprach der glänzenden Leistung: Kaiser Nikolaus küsste ihr in Gegenwart seiner Gemahlin die Hand und forderte sie auf, nach Petersburg zu kommen. Auch Friedrich Wilhelm sagte ihr die ehrendsten Worte, man nahm sie huldenreich in die Mitte uns überhäufte sie von allen Seiten mit dem schmeichelhaftesten Lobe. [4-51, -52, 53]

An diese Begebenheit erinnert noch heute eine Statuette der Rachel an derselben Stelle, an der sie deklamiert hat. Sie war auf Wunsch des Königs von Afinger, einem Schüler Rauchs, 1851  geschaffen. [2-12] Sie besteht aus carrarischem Marmor und trägt am Sockel die Inschrift: Der 13. Juli 1852” [4-54]

Seit 1820 wohnte auch auf der Pfaueninsel ein Ehepaar, das viel von sich reden machte. Es war der Maschinenmeister Friedrich und seine Frau. Herr Friedrich war vom König auf die Pfaueninsel berufen worden, um die Dampfmaschine zu betreuen. Die Familie Friedrich erhielt dafür neben dem Maschinenhaus eine Dienstwohnung. Herr Friedrich beschäftigte sich in seiner Freizeit mit dem Schnitzen von Elfenbein und Mosaikbildnerei. Die Stücke, die er fertigte, erforderten zur Betrachtung eine Lupe, da er sie sehr detailliert ausführte. Beispielsweise war da ein Kästchen mit feinem Schnitzwerk auf dem Deckel, das eine Jagd im Wald darstellte. Die Arbeit war so fein ausgeführt, dass beim Öffnen des Deckels die Blätter der Bäume, wie vom Winde bewegt, zitterten. Des weiteren fertigte er überwiegend Bauwerke aus der Zeit Friedrich Wilhelm III., etwa die Werder´sche Kirche, das Alte Museum in Berlin, die Nikolaikirche in Potsdam, die russische Kirche auf dem Pfingstberg, die Kirche zu Nikolskoe, die Sakrower Heilandskirche und das Schloß auf der Pfaueninsel. Jedes dieser Kunstwerke bestand aus zehn- bis fünfzehntausend Einzelstücken Elfenbein und Perlmutter. Selbst durch die Fensteröffnungen konnte man die Inneneinrichtung erkennen. Der Kaiser Nikolaus von Russland bestellte bei Herrn Friedrich eine nochmalige Anfertigung zur Bereicherung seines Schlosses in Petersburg. [4-55]

Es besteht der Verdacht [13-127], dass Herr Friedrich diese Fertigkeiten vom Fährgehilfen Maitey erlangte, der von der 1779 von James Cook entdeckten Sandwich-Island (Südatlantik) stammte, und über preussische Seefahrten nach Berlin gelangte, und der Pfaueninsel zugeteilt wurde. Der mit verschiedenen Namen Henry, Harry oder Heinrich Wilhelm Maitey genannte Hawaiianer heiratete am 25.8.1833 die Tochter des Tierwärtergehilfen Becker von der Pfaueninsel aus Stolpe (Alt-Wannsee) in der Kirche am Stölpchensee. Möglicherweise ist auch der rätselhafte Walkieferknochen in Verbindung mit Maitey zu bringen der am Kastellanhaus liegt, da seine Heimatinsel für den Walfang bekannt war. Auf der Herkunftsinsel Maiteys werden auch seit Generationen Holz- und Steinschnitzereien angefertigt, was den Verdacht nahe bringt, dass Friedrich diese Kenntnisse von Meitay erlangte. Begann Friedrich doch erst nach der Ankunft des Hawaiianers mit dieser Schnitzkunst und beendete diese Arbeit nachdem Meitay seine Familie in Klein-Glienicke gründete. [13-126, 127].Die fertigen Kunstwerke liess Friedrich im Pfaueninselschloß aufstellen. Später standen die 7 Potsdamer und Berliner Modellbauten aus den Jahren 1832 bis 1846 aus Elfenbein im Treppenhaus der Meierei. Nach 1945 gelten die feinen Kunstwerke als verloren und sind nicht wieder aufgetaucht. [2-15] (Anm. 1/2007: In einem Ausstellungskatalog von 1981 Potsdam findet sich der Hinweis  Nr 23, Seite 44 auf einige Stücke [13-127]. Der Meitay starb am 26.2.1872 an Pocken in seinem Klein-Glienicker Haus in der Kurfürstenstraße 10 und ist mit seiner Frau auf dem Kirchhof Nikolskoe beerdigt (1807 - 1872). Das wohl älteste und besterhaltene Grab eines Haweiianers außerhalb der Sandwichinseln. [13-128] Die ausführliche und überaus interessante Geschichte des Sandwich-Insulaners Meitay findet sich in der Festschrift “150 Jahre Peter und Paul”, zu finden unter der Nummer 13 im Buchindex.

Frau Friedrich wird in vielen Quellen stets als gastfreundlich bezeichnet, ist immer schnell mit einer Tasse Kaffee zur Stelle und bereitet den Gästen der Pfaueninsel auch eine kleine Mahlzeit.  Bedingt einer königlichen Auflage sind Wirts- und Kaffeehäuser hier bis heute verboten. Alles was hier landete, wenn es seinen Schloßrundgang hinter sich hatte, hatte das dem norddeutschen Menschen tief innewohnende Bedürfnis des Nachmittagskaffee, und da kein Platz da war, wo dies Bedürfnis regelrecht, nach den alten Traditionen von Angebot und Nachfrage befriedigt werden konnte, so blieb den Durstigen nichts übrig, als um Dinge zu bitten, die nun mal nach Lage der Sache nicht befohlen werden konnten. Man trank hier bei Frau Friedrich seinen Kaffee immer lächelnd auf Einladung, und vielleicht schmeckte der Kaffee auch nur so vorzüglich und schwärmte nach dem Besuch bei Frau Friedrich, weil er wirklich teuer erkauft und errungen war. [5-200, 201] Auch der König hatte eigens für diese Kaffee-Besuche bei Frau Friedrich Porzellan-Service anfertigen lassen, für jeden Besuch ein neues. Die Porzellansammlung der Frau Friedrich wuchs immer mehr an.

Herr Joseph und Frau Elisabeth Friedrich starben 1873 und das Kaiserhaus bereitete ihnen auf dem Kirchhof zu Nikolskoe eine ewige Ruhestätte. [4-56] Die Gräber sind heute leider nicht mehr zu erkennen. Der Kirchhof Nikolskoe gehört verwaltungsgemäß den Berliner Forsten, die nur geringe Mittel für eine Restaurierung aufbringen können. Die Berliner Gartendenkmalpflege hat sich seiner denkmalpflegerischer Hinsicht dankenswerterweise angenommen. Es ist zu überlegen, schreibt 1987 Michael Seiler in Kapitel 4 der Kirchenfestschrift [13-53] über die Gräber des Kirchhofes Nikolskoe, ob die kulturgeschichtliche Besonderheit dieses Begräbnisplatzes es nicht erfordert, auf einem schlichten Stein Namen und Daten derjenigen in Erinnerung zu rufen, deren Gräber in Nikolskoe leider verschwunden sind.

Die königlichen Hofgärtner erhielten immer wenige Geld für die Pflege der Anlagen. Der Rosengarten konnte nicht mehr gehalten werden, und musste 1870 sowie 1985 erneuert werden [6-56].

In der Nacht vom 18. zum 19. Mai des Jahres 1880 brannte das Palmenhaus nieder. Die Gewächse waren unter der Pflege des königlichen Hofgärtner Fintelmann üppig gediehen. In einer Nacht gingen alle Pflanzen verloren. Die Ursache ist trotz intensiver Untersuchungen nicht ermittelt worden. Festgestellt wurde jedoch, dass die Ursache nicht mit der Heizungsanlage in Verbindung gebracht werden konnte. Noch 1926 konnten die mächtigen Säulen am Havelufer betrachtet werden. [4-57] Von 1909 bis 1911 wurde das Schloss saniert, die Holzfassade wurde mit Beton ausgebessert. [2-11]

In den folgenden Jahren wurde immer weniger in die Pflege der Insel investiert. Die Parkanlagen verwilderten, die Ausflügler schädigten die Insel durch das Pflücken der Pflanzen, oder wildes Betreten der Grünflächen.

Mit dem Abdanken des Kaisers Wilhelm II. von Preussen am 28.11.1918 verlor die Insel jeglichen Schutz, das deutsche Königshaus ist aufgelöst. Die Achtung gegenüber allem, was dem Kaiserhaus einst gehörte sank, die Insel litt sehr unter dem Publikumsverkehr.  Wolfgang Stichel (Autor des Buches: [4])  erarbeitete 1922 eine Studienarbeit über die Flora und Fauna auf der Pfaueninsel. Er setzte sich ab Sommer 1922 bei der staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege ein, die Insel unter Naturschutz zu stellen. Seine Studienarbeit bewies die Existenz von seltenen Pflanzen und schützenswerten Vogelbrutstätten auf der Insel, sodass die Insel schon ab dem 28. Februar 1924 unter Naturschutz gestellt werden konnte. [4-62, -63, -64, -65]

Damit war auch der Weg für Spekulanten verbaut, die schon geldbringende Pläne schmiedeten, die Insel zu parzellieren und mit Villen zu bebauen (ähnlich dem Schwanenwerder), oder ein privates  Schulinternat (ähnlich der Insel Scharfenberg im Tegeler See) oder ein Alterssanatorium für gut betuchte Herrschaften zu errichten. In allen Varianten wäre die märchenhafte Struktur der Insel verloren gegangen, die baulichen Eingriffe schädlich für die zarte Pflanzenwelt und nicht mehr für den Publikumsverkehr zu betreten gewesen. [4-62]

Blick von Nikolskoe auf die Pfaueninsel: Vor dem Schloß Pfaueninsel das Schweitzer Haus

Am 15. August 1936, zum Abschluß der Olympischen Spiele, laden die neuen Herren Deutschlands zu einer italienischen Nacht. Nicht nur die Söhne Mussolinis kommen, sondern auch der König von Bulgarien, die Kronprinzen von Italien, Schweden und Griechenland, der Herzog von Hamilton, Lord Vansittart, Lady Londonderry, insgesamt eintausend Gäste, die Reichsregierung und das Olympische Komitee sind nahezu vollständig vertreten. Der amerikanische Botschafter Dodd geniert sich, Göring und Göbbels, den Mördern von Schleicher die Hand zu geben. [1-100]

 Himmler und Göbbels veranstalten häufig rauschende Feste auf der Pfaueninsel. Naturschutz war damals noch nicht so streng formuliert

Erstmals wurde von Pionieren eine Schiffsbrücke zum Festland geschlagen, Lampion erleuchten die Insel in der Dunkelheit. [1-101]

Wolf Jobst Siedler schreibt in seinem Buch [1] von der Abschiedsbotschaft Hitlers an seine Armee, die den Weg über die Pfaueninsel gemacht hat. Ein Flugzeug landete wie verabredet auf der Havel vor der Pfaueninsel, und lies sich das Dokument übergeben. [1-110] Später schoß sich die Rote Armee auf die Insel ein, die Inselbewohner waren wahrscheinlich von Sakrow aus gesehen worden. Als sich das Schussfeuer am 2. Mai 1945 steigerte, verließen die Inselbewohner mit einem kleinen Boot die Insel auf die Havel hinaus. [1-111]

Blick vom Festland auf die Havelenge zwischen Nikolskoe und Pfaueninsel, Der Fotograf steht am Standort der heutigen Busendhaltestelle Linie 218

Die Gartenlandschaft auf der Pfaueninsel steht noch heute unter Naturschutz. Seit 1990 ist die Insel in die UNESCO-Liste des Kulturerbes aufgenommen, der Fortbestand damit auch international gesichert. Das Gesamtensemble wird von der Stiftung Preussischer Kulturbesitz aufwendig gepflegt. Täglich kann die Insel bei Tageslicht besucht werden.

Blick aus dem Wirtshaus auf dem Festland zur Pfaueninsel hinüber, 1937

Autor: Jurziczek von Lisone    Mai/2005

Quellenangaben: Siehe Auflistung der Quellen in Rubrik “Bücher”. Quellenlegende: [x-y]  x = Buch, y = Seitenzahl

Der Inselbegleiter für den nächsten Besuch auf der Pfaueninsel hier zum Download

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