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Die neuere Geschichte der Insel fällt in die Regierungszeit des Großen Kurfürsten, der dort 1683
ein Kaninchenhegerhaus erbauen und Kaninchenzucht betreiben ließ, was ihm eine jährliche Einnahme von 200 Thalern brachte. Dieses Hegerhaus stand an der Stelle des jetzigen Schlosses, und auf der Karte der Pfaueninsel von Suchodoletz ist hinzugefügt: “Anno 1683 erbaut”. Mit dem Jahre 1695 verschwindet jede weitere Erwähnung der kurfürstlichen Kaninchenzüchtereien, die auch an anderen Stellen der Mark Brandenburg, wie z.B. bei Drewitz und Kunnersdorf, errichtet waren. [4-3]
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Mit dem letztgenannten Jahr aber erhält die Insel eine Bedeutung durch die Anwesenheit des Alchimisten Johann Kunkel (1630 - 1703). [2-23]Kunckel wurde 1630 zu Hütten bei
Rendsburg geboren und ihm war schon als Knabe seine spätere Lebensrichtung bestimmt, denn sein Vater war Besitzer einer Glashütte, in der für den Herzog Friedrich von Holstein Arbeiten ausgeführt wurden. Der junge
Kunckel (auch “ Kunkel “ geschrieben) trat später in die Dienste des Herzogs Franz Carl von Lauenburg als Kammerdiener, wie dies der gebräuchliche Titel für Laboranten und Alchimisten war. Kunkel hatte großes
Interesse an der Scheidung der Metalle gewonnen und experimentierte auf eigene Faust mit den reichen Vorräten des ihm anvertrauten Laboratorium. Namentlich interessierte ihn das Phosphor, mit dem er unablässig Versuche
anstellte, seitdem 1630 ein Schumacher in Bologna die Phosphoreszenz gewisser Steine entdeckt hatte. Der Ruf Kunkels war keineswegs schlecht, denn er wurde dem Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen empfohlen, der ihn
auch 1677
zu sich an den Hof berief. Der Kurfürst ernannte ihn zu seinem “Geheimen Kammerdiener und Chymicum des Kurfürstlichen geheimen Laboratori” und sicherte ihm ein Gehalt von 1000 Thalern, das für jene Zeit als sehr beachtlich angesehen werden kann. Die Gunst schien aber nicht lange angedauert zu haben, denn Kunkel bat bald selbst darum, nach Annaburg gehen zu dürfen, wo angeblich eine gute Gelegenheit vorhanden war, zu leben und zu laborieren. Da ihm aber bald auch dort das Gehalt nicht mehr gezahlt wurde, geriet er in wirtschaftliche Schwierigkeiten und er beschwerte sich in Dresden. Die Antwort der kurfürstlichen Minister lautete:
“Kann Kunckel Gold machen, so bedarf er kein Geld, kann er solches aber nicht, warum solle man ihm Geld geben?”
Diese Antwort hatte ihren tieferen Sinn in den Gerüchten und evtl. auch Denunzierungen gewisser Neider, dass Kunkel in seinem Laboratorium Gold herstellt oder herstellen wollte. Da Kunkel niemals über seine Versuche sprach oder sonstige Mitteilungen abgab, war das Auftauchen solcher Gerüchte nur verständlich.
In der Not traf es sich, dass der Leibarzt des
Kurfürsten Friedrich von Brandenburg
an Kunckel schrieb, ob er nicht einmal nach Berlin kommen und dem Kurfürsten seinen Phosphor zeigen wolle. Es gab natürlich für Kunckel nichts eiligeres als sich nach Berlin zu begeben und sich dem Kurfürsten vorzustellen. Er wurde nach seinem eigenen Berichte alle Abend bei dem Kurfürsten empfangen, der sich zwei bis drei Stunden mit ihm unterhielt, öfter zum höchsten Verdruß anderer, die auf eine Audienz warteten. Die Besprechungen führten schließlich dazu, dass der Kurfürst ihm eine Bestallung als Geheimen Kammerdiener mit 500 Thalern Besoldung ausfertigen ließ, gab sie ihm eigenhändig, zahlte ihm ferner 50 Thaler für Reisekosten und 100 Thaler für den Transport seiner Sachen aus.
Die Art, wie er sich seinem neuen Herrn gegenüberstellte, ließ wenigstens das Verlangen, Gold zu machen nicht an ihn herankommen. Er scheint sich im Gegenteil nur mit wissenschaftlichen Experimenten beschäftigt zu
haben, stand in Verbindung mit der Hofapotheke und machte für den Kurfürsten allerlei kuriose Dinge, wie Glasflüsse, Maschinen zu physikalischen Experimenten und interessante chemische Versuche. Kunkel machte dann
Versuche, Kristallglas herzustellen und seine Leistungen waren so vortrefflich, dass der Kurfürst ihm ein Privilegium für den Verkauf des von ihm fabrizierten Kristallglases verlieh. [4-3,4] Hätte er sich mit
Goldmachen und dem Stein der Weisen abgegeben, welche Erfindungsversuche ihm allgemein zugeschrieben werden, so würde der Betrug nicht 10 Jahre lang vorgehalten haben. Das schliesst allerdings nicht aus, dass Kunkel
sich mit dem Schein geheimer Wissenschaft umgab. Für seine Arbeiten hatte er die Glashütte in Drewitz gepachtet, die ihm aber zu klein wurde, und er setzte sich mit dem Glasmacher Jobst Ludewig in Verbindung, der auf
dem Hakendamm bei Potsdam eine Glashütte betrieb. Dieser war natürlich darüber sehr erfreut, dass Kunkel seine Fabrikationen, darunter sehr hübsche Glasflüsse für Perlen, sogenannte Korallen, die die
Brandenburg-Guinea`sche Compagnie für die in Afrika zu gründenden Kolonien brauchte, im Großen in seiner Glashütte herstellte. Hier auf dem Hakendamm scheint Kunkel bei seinen weiteren Experimenten das Rubinglas
erfunden zu haben. Mit dieser Erfindung hielt er aber hinter dem Berge, vielleicht um den Jobst Ludewig an diesem Erfolge nicht teilnehmen zu lassen, wenn er auch sonst in freundschaftlichen Verhältnis zu ihm stand.
Das Vertrauen und die Gunst des Kurfürsten war fast unbegrenzt, und dies zeigte sich auch in der im Jahre 1685 erfolgten Schenkung des ganzen Pfauenwerders bei Potsdam, welche sich im Original im Geheimen
Staats-Archiv in Berlin noch vorfindet. Kunkel scheint bei der umfangreichen Glasfabrikation weder mit seinem Hause in Berlin (Klosterstrasse) noch mit der Glashütte auf dem Hakendamm ausgereicht zu haben und mag wohl
den Kurfürsten um ein möglichst abgelegenes und schwer zugängliches Gelände gebeten haben. Die Schenkung übereignet ihm jedenfalls erb- und eigentümlich die ganze Insel, gibt ihm das Recht des freien Brauens, Backens
und Branntweinbrennens, befreit ihn und seine Leute von allen Abgaben und Diensten, berechtigt ihn zum Bau einer Windmühle, damit er schroten und mahlen könne, und seine Leute deswegen die Insel nicht verlassen
brauchten. [4-6] |
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Kunkel hatte dadurch die Sicherheit, dass von seinen geheimen Experimenten im Insel-Laboratorium keine Botschaften die Insel verlassen. Das Betreten der Insel war für Unbeteiligte
durch den Kurfürsten bei Strafe verboten. An der nordöstlichen Seite der Insel, zwischen dem heutigen Jagdschirm und der Meierei legte Kunkel seine Glashütte an. Er baute besondere Öfen, um die beste Art der
Kondensierung des Feuers zu ermitteln. Der Geruch von geschmolzenen Trinkturen und allerlei Fusel streicht über die ganze Insel. Die schwarzen Rauchwolken der stillen Havelinsel gaben ihr so ein unheimliches Aussehen,
sodass Kunkel von den umliegenden Bauern und Potsdamern für einen Hexer und Zauberer gehalten wurde, der entsetzliche Dinge dort treiben würde. Das Betretungsverbot und Anlegeverbot für Boote und die mächtigen Düfte und
Rauchschwaden liessen Geschichten der Goldherstellung verdichten. Es ist allein der Kurfürst, der vom schräg gegenüber gelegenen Potsdam immer wieder in seiner Staatsbarke herüberkommt - und zwar für viele Stunden - um
die neuesten Hervorbringungen der alchemistischen Glashütte in Augenschein zu nehmen. Mittlerweile weiß Kunkel ein Rubinglas von aussergwöhnlicher Leuchtkraft herzustellen. Der Kurfürst verfügt nun, dass Kunkel als
einziger in allen Brandenburger Landen zwischen Rhein und Memel solches Glas herstellen und sogar einführen, sofern derlei Künste auch anderen Orts gehandhabt werden. [1-16] Die Mißachtung des Erlasses drohte der
Kurfürst mit 100 Thalern Strafe zu ahnden. [4-6]So qualmt und stinkt es bis 1689
auf dem Pfau- Werder. Es qualmte und stinkte aber auch im Stadtschloß Potsdam, denn Kunkel muß für seinen kriegstüchtigen Herrn allerlei Glasgefäße, Röhren, Tiegel, Kolben und Zylinder aus Glas anfertigen, mit denen der Landesherr, die leicht brennbare Perücke abgenommen, auf eigene Faust im Schloß Potsdam Experimente anstellt. Überliefert sind jedoch keine ernstzunehmenden Ergebnisse. Das waren Vergnügungen, wie sie große Herren im Barock lieben, an allen Häusern Europas. [1-16] Jeder Fürst, Kaiser und König wollte etwas Besonderes zeigen und die besten Gelehrten Europas im Hause beschäftigen.
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Seinen Unternehmungen scheint aber kein großer Gewinn entsprungen zu sein. Was er gewonnen hatte, steckte er sogleich in neue Experimente, und als der Große Kurfürst
Friedrich Wilhelm 1688 starb, befand sich Kunkel in einer sehr mißlichen Lage. Der Nachfolger Kurfürst Friedrich III.
(“der schiefe Fritz”) schien nicht viel von seines Vaters Günstling gehalten zu haben, denn er ließ diesen vollkommen im Stich.[4-7] Kunkel wird von den Räten des neuen Kurfürsten befragt, welchen Nutzen das aufwendige Tun denn gehabt habe. Johann Kunkel gab die Antwort
“Der hochselige Herr Kurfürst war ein Liebhaber von seltenen und kuriosen Dingen und freute sich, wenn etwas zustande gebracht wurde, was schön und zierlich war. Was dieses genützt hat, diese Frage kann
ich nicht beantworten.” [1-17] |
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Johann Kunckel |
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Zu allem Unglück brannte 1689
seine Glashütte auf der Pfaueninsel ab, wonach er sich mit einer Eingabe an den Kurfürsten Friedrich III. wendete und ihm seine Not klagte. Er erhielt daraufhin nicht nur keine Antwort, sondern es wurde ihm der Prozeß gemacht. Der Prozeß zog sich über Jahre hinweg und schliesslich wurde Kunckel dazu veruteilt, 8000 Thaler in vierjährigen Terminen zurückzuzahlen. Er hätte die gestellten Erwartungen nicht erfüllt. Zu diesem Zweck wurde ihm erlaubt, sein Haus in Berlin zu verkaufen, was
1693 geschah, nachdem das Grundstück zum Bau der Parochialkirche ausersehen war. Kunkel setzte seine Versuche fort, bis er 1692
durch König Carl XI.nach Schweden berufen wurde. Dieser war mit ihm sehr zufrieden, ernannte ihn zum königlichen Bergrat und erhob ihn in den Adelsstand mit dem Namen Johann Kunkel von Löwenstern
. Kunkel starb wohl 1702 in Schweden. [4-7] |
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