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U-Bahn Berlin

Erste Versuchslok für den elektrischen U-Bahnbetrieb

Der Bau der Berliner Hoch- und Untergrundbahn war 1896 begonnen worden. Im Jahre 1899, also drei Jahre vor der Eröffnung, lieferte die Waggonfabrik “van der Zypen & Charlier” in Köln die ersten beiden Probewagen, die die gleichen Abmessungen wie die folgende Serienwagentype A1 aufwiesen. Der erste Wagen “a” hatte gebogene Eckfensterscheiben wie bei der Pariser Metro und eine unsymmetrische Türeinteilung. Der andere Wagen “b” besaß dagegen unsymmetrisch angeordnete Türen. Beide Wagen waren zunächst Motorwagen, wurden aber später ihrer Fahrmotoren beraubt. Auch die  ursprüngliche Anordnung der Sitze (2+1 Sitze) wurden später gegen die bei der Berliner U-Bahn typischen Längsbänke aufgegeben.

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Drehstromlok (Holzaufbau) auf der Versuchsstrecke Goerzallee in Lichterfelde. Hier wurden auch die ersten Versuche mit den ersten beiden Berliner U-Bahnwagen (Probewagen a und b) durchgeführt.

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Drehstromlok (Eisenaufbau)  in Lichterfelde, 1900.  (Foto: Sammlung BVS)

Die Fahrzeugaussenfarbe des Kaiserwagens war violett. Zunächst wurden die Wagen bei Schleppversuchen von einer 10000- Volt- Dreiphasen- Drehstrom- Lokomotive auf einer Versuchsstrecke gezogen. Zunächst mit einem Holzaufbau (Foto oben), wurde die Lok später technisch verfeinert und mit einem eisernen Aufbau versehen. Diese Versuchslokomotive wurde schon 1901 an die Zementwerke Berka abgegeben, und dort noch 1972 auf der Werkbahn verwendet (siehe “Der Stadtverkehr” 8/1974, “Berliner Verkehrsblätter” 2/1975). Die Lok befindet sich heute im Verkehrsmuseum Dresden.

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Die Versuchsstrecke für den Drehstromantrieb wurde in Gross-Lichterfelde von der Firma Siemens auf dem Sommerweg der Teltower Strasse (heutige Goerzallee, etwa zwischen Engadiner Weg und dem Lichterfelder Weg) 1898 aufgebaut. Die Strecke war 1800 Meter lang, ein eigenes Kraftwerk mit Wagenhalle lag mittig der Strecke.

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Um mit der Drehstromlok gekuppelt zu werden wurden die Probewagen mit einer Hakenfingerkupplung ausgerüstet. Ende 1901 wurden die beiden Wagen auf der Hochbahn eingegleist um erste Fahrversuche auf der neuen Strecke zu absolvieren. 

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Kaiserwagen: der erste Fahrgastwagen der Berliner U-Bahn, Muster für die späteren Wagen des Typs A1. Baujahr 1899

Der Wagen “a” wurde als so genannter Kaiserwagen bekannt, nachdem Kaiser Wilhelm II. am 16. März 1908 in ihm vom Leipziger Platz zum Reichskanzlerplatz gefahren war und so die Strecke nach Westend eröffnet hatte. Der Wagen war dabei geschoben worden. Später fand er als Arbeitswagen (Bereisungswagen) Verwendung. Ob die Probewagen “a” und “b” jemals eine Betriebsnummer erhalten haben, ist unklar, ebenso der Verbleib des Wagens “b”.

Kaiserwagen um 1910 im Arbeitszugdienst auf der Hochbahn

Quellen

  • Berliner Verkehrsblätter,
  • Archivunterlagen Berliner Verkehrsseiten
  • Buch “Berliner U-Bahn”, ALBA, Lemke und Poppel,

Text: Jurziczek 2004

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