U-Bahn Berlin

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Nie verwirklichte Ausbaupläne am Wittenbergplatz

 

 

Der Bahnhof Wittenbergplatz war in den ersten Jahren der Berliner Hoch- und Untergrundbahn eher eine bescheidene kleine Station mit einem unbedeutenden Treppeneingang, wie er typisch für diese Zeit an den Untergrundstationen anzutreffen war. Unscheinbar, etwa vergleichbar mit der heutigen Eingangssituation am Bahnhof Spittelmarkt. Neben dem Eingang wies nur ein kleines Fahrkartenhäuschen auf die U-Bahn hin.

Die Stammstrecke der Berliner Hoch- und Untergrundbahn führte zunächst vom Westen (Wilhelmplatz) über den Bahnhof Zoologischer Garten zur Bülowstrasse. Von hier verzweigten sich die Zügen nach Norden (Potsdamer Platz) oder Osten (Warschauer Brücke). Das Gleisdreieck gab es nur als Betriebstelle (Stellwerk), jedoch nicht als Bahnhof zum Aussteigen.

Für das Jahr 1913 beabsichtige die Betreibergesellschaft eine Streckenerweiterung. Vom Wittenbergplatz sollten nun die Züge einerseits in den Kurfürstendamm fahren (Uhlandstrasse), zum  anderen ebenso vom Wittenbergplatz Richtung Dahlem fahren können. Am Wittenbergplatz verzweigen sich so die Züge aus dem Osten kommend in drei verschiedene Richtungen. Auch vom Osten plante man eine weitere Strecke vom Gleisdreieck über Kurfürstenstrasse, da die vorhandene über Bülowstrasse die Verkehrströme aus dem Norden und Osten nicht Richtung Westen zu bewältigen vermag. Für die weiter entfernte Planung galt es auch eine Strecke von Norden kommend zu berücksichtigen.

Der Hochbahn Architekt Alfred Grenander erhielt den Auftrag, einen neuen Bahnhof Wittenbergplatz zu entwerfen, der den neuen Anfordeungen genügt.

Der neue Bahnhof Wittenbergplatz wurde bis 1913 fertiggestellt.  Bedingt durch den Ersten Weltkrieg dauerte es bis 1926, ehe die Entlastungsstrecke von Gleisdreieck über Kurfürstenstrasse, Nollendorfplatz in den Wittenbergplatz geführt werden konnte. Die Bauvorleistung dafür konnte jedoch voll genutzt werden.

Die Bauvorleistung für die von Norden einbiegende Linie in den Bahnhof Wittenbergplatz wurde auch nach dem I. Weltkrieg nicht realisiert, die Planungen der seit 1920 hier zuständigen Stadt Groß-Berlin hatten sich geändert.

Für die von Norden in den Bahnhof einführende Linie wäre nördlich (hier links) ein weiterer Gleistrog mit Bahnsteig angefügt worden. Der Bereich des Bahnsteiges ist im Bereich der Empfangshalle auch vorbereitet, der Gleistrog existiert nur westlich des Bahnsteiges im Ansatz.

Der kleine Raum hinter der Tunnelwand des nördlichen Gleises ist nicht sonderlich groß und dient heute einer Hebeanlage.

Nichts sonderlich spannendes befindet sich im Raum, er schliest mit den Grundmauern des Empfangsgebäudes ab.

Auf der Karte kann man sich den Raum beser vorstellen: Hinter dem nördlichsten Gleis liegt der Raum in den Maßen des darüberliegenden Empfangsgebäudes (gestrichelte Linie). In der Halle darüber kann man gut den geplanten Treppenabgang erkennen.

Im östlichen Bereich des Bahnhofes wurde bereits 1913 ein Tunnelstück zur Unterfahrung der 4 Gleise von / nach Nollendorfplatz errichtet. Da die Planung für eine abzweigende U-Bahn Richtung Nettelbeckstrasse heute nicht mehr besteht, wird dieser Tunnel wohl nie eine Verwendung erhalten. Da der Tunnel recht kurz und krumm liegt, wird er auch als “Banane” bezeichnet.

Ein kleiner Einstieg zwischen den Gleisen und dicht an der Stromschiene ermöglicht nur eingewiesenen Betriebspersonal den Zugang. Führungen mit Gruppen sind in diesen Tunnel nicht möglich. Am Tage rollen zudem im Minutentakt die Züge rechts und links dicht am Zugang mit den tief hängenden Stromabnehmern vorbei. Der Zustieg ist zudem äusserst eng. Der Rucksack auf dem Bild verdeutlicht die Platzverhältnisse.

Der Abstieg über eine Leiter aus dem Jahr 1913 führt direkt in den Tunnelbau unter den befahrenen Gleisen. Im Tunnel ist eine kleine Nische für einen Pumpensumpf (Pumpstation). Kein Tunnel der Welt ist wasserdicht, daher sind stets in Tunnelanlagen kleine Wasserrinnen eingelassen, die zu einem Pumpensumpf führen. Sammelt sich hier eine bestimmte Menge an Wasser an, springt die Pumpe an und befördert es aus dem Tunnel. Da diese Tunnelbanane den tiefsten Punkt des Bahnhofes Wittenbergplatz bildet, befindet auch hier eine solche Station.

Der Tunnel ist in seiner Bauform typisch geformt und weist auf die offene Bauweise hin.

Das letzte Drittel des Tunnels Richtung Süden ist mit Schutt aufgefüllt, vermutlich Schuttreste aus Kriegsschäden, die hier abgeladen wurden.

Über die Architektur des Bahnhofes, seiner Umbauten der 60er Jahre und Wiederherstellung des Empfangsgebäudes nach den Vorgaben des Berliner U-Bahn Architekten im Jahr 1983 gäbe es noch viel zu berichten.

 An dieser Stelle sei der Hinweis auf die Broschüre zur Wiederherstellung des wohl schönsten U-Bahnhofes der Stadt 1983 durch den Dipl. Ing. Architekt  W.-R. Borchardt gegeben. Die Broschüre  umfasst 32 Seiten und ist nicht mehr neu erhältlich, aber  gelegentlich im Internetantiquariat zu erhalten.

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Ebenso Interessant die Eröffnungsbroschüre der Berliner Hoch- und Untergrundbahn von 1913. Viele Teile zum Thema “Wittenbergplatz” aus dieser Broschüre sind auch in der Broschüre von 1983 wiederzufinden. Jedoch beschreibt diese Originalbroschüre den gesamten Streckenabschnitt der dahlemer Bahn bis zum Thielplatz sowie der kurzen Strecke von Wittenbergplatz zur Uhlandstrasse. Die Broschüre umfasst rund 40 Seiten und ist gelegentlich im Internetantiquariat zu erhalten.

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Ganz in der Nähe vom U-Bahnhof Wittenbergplatz befindet sich das Restaurant Grenander. Die Inneneinrichtung ist ganz im Stil des Architekten und Designers gehalten. Formen und Symbole von Grenander, der die U-Bahn der Vorkriegszeit so prägte wie kein anderer. Ein Besuch lohnt, allein die Betrachtung der Inneneinrichtung lohnt.

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