Die Schlossfreiheit

 

 

Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm I. schuf 1672 ein Privileg, welches dem Strassenzug später den Namen “Schlossfreiheit”gab.

Der Strassenzug gegenüber dem Schloß am westlichen Spreearm wurde zu Beginn der achtziger Jahre des siebzehnten Jahrhunderts zur Bebauung freigegeben, nachdem es gelungen war, den Spreekanal von der Hundebrücke (heute: Schlossbrücke) bis zu den Werderschen Mühlen einzudämmen.

Die Häuser standen auf weichem Boden, weshalb schon früh mit Bauschäden gerechnet werden musste. Daher wurden die Besitzer von den städtischen Lasten befreit. Damit gehörten die Bewohner nicht zur Bürgerschaft, entgingen Zwangseinquartierungen seitens dem Militär sowie fand das städtische Zunftrecht auf der Schlossfreiheit keine Anwendung.

Schlossfreiheit: Frei von den Armen des Schlosses.

Am heutigen Übergang des Schlossplatzes in den Werderschen Markt lag einst die Stechbahn. Der Name für das kurze Stück rührt von Ringel-Stech-Turnieren des Kurfürsten, die um 1470 bis etwa 1640 dort stattfanden. Es waren regelrechte Volksfeste mit Buden und Köstlichkeiten, während die Teilnehmer die Ritterspiele auf den Pferden ausführten.

Die Schlossfreiheit entwickelte sich zu einer beliebten Ladenzeile für die gehobene Klasse der Berliner. U.a. Weinhändler, Cafés und eine Buchhandlung, Modistinnen, Stickerinnen, Zigarrenhändler, Handschuhmacher oder Konfektionisten boten ihre Dienste an.

Am 9. März 1888 verstarb Kaiser Wilhelm I.in seinem 91. Lebensjahr. Schnell wurden die Rufe nach einem würdigen Denkmal ihm zu Ehren laut.

Ein Reichstagsbeschluß von 1890 beendete das Treiben in der Schloßfreiheit. Die Häuser an der Schloßfreiheit sollten einem Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I. weichen. 1892 begonnen die Abrißarbeiten der Häuserzeile, Das Nationaldenkmal wurde 1897 eingeweiht.

Heute erinnert nichts an die einstige über 300 Jahre bestehende Schlossfreiheit. Nicht einmal der Strassenname findet sich heute im Stadtbild wieder.

Ein durchaus diskussionswürdiger Umgang mit der Stadtgeschichte im innersten der Stadt.

Stichzeichnung von den Ritterspielen auf der Stechbahn, aus “Der Bär, 1882”

Blick vom alten Schlossplatz in die Schloßfreiheit, rechts das Stadtschloß, links um die Ecke die alte Stechbahn, Foto um 1880

Karte: Sammlung Verfasser

Die Fläche des Stadtschlosses, mit Blick vom Palast der Republik auf die Schloßfreiheit im Jahr 2005: Trostloser Parkplatz, nichts erinnert an die Geschichte.

Die Brüder Arnold haben zur Schloßfreiheit ein zusammenfassendes Buch geschrieben.

Eine detaillierte Zusammenfassung mit vielen Grafiken, Bildern und Zeichnungen beschreibt die Schlossfreiheit in allen Zügen.

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Alle Bilder aus der Sammlung des  Verfassers: M. Jurziczek  at 8/2005