Kaum einer, der sich nicht intensiv mit der
Gaslaterne befasst, hat sich da jemals Gedanken drüber gemacht. Sie geht eben zuverlässig an, und wieder aus. Aber wie?
In den ersten Jahren der Gaslaternen (ab 1826 in Berlin) gab es Lampenwärter, die die Laternen
einzeln anzündeten und das Licht wieder löschten. Dazu (und teilweise auch zur täglichen Wartung) liessen sich hohe Leuchten auch über eine Seilkonstruktion herablassen.
Um 1900 baute man ein zusätzliches
Gasnetz allein für die Strassenbeleuchtung auf. So konnten die Laternen ferngezündet werden. Über eine Druckerhöhung öffneten sich die Ventile an den Laternen, ein dauerhaft leuchtender kleiner Zündstab entzündete die
Glühstrümpfe. Die letzten Laternenanzünder taten am 29. April 1925 in Berlin-Friedrichshain ihren Dienst, das Netz war somit auf Pressgas - Fernzündung umgestellt. Diese Fernzündung funktionierte sehr zufriedenstellend.
Im Zweiten Weltkrieg nahm die Strassenbeleuchtung auch großen Schaden. Das separate Pressgasnetz wurde in den Westsektoren nicht wieder aufgebaut. Im sowjetischen Sektor wurde es noch bis Anfang der 60er Jahre bis
zum Abbau der Gaslaternen in größerem Stil verwendet.
In Berlin (West) erfolgte die Fernzündung über eine kurzzeitige Druckwelle durch das normale Gasleitungsnetz, die von Reglerstationen ausgelöst wurde. Die
Reglerstationen erhielten ihren Schaltbefehl von der BEWAG-Lichtwarte, so dass sie etwa zeitgleich mit den elektrischen Leuchten befeuert wurden. Zusätzlich verfügten die Laternen aber auch über eine Kette seitlich des
Gehäuses, mit der sich die Laternen etwa im Störungsfall oder zur Wartung manuell starten liessen.
Mit der Umstellung der Gasversorgung von Stadtgas auf Erdgas ist diese Druckerhöhung nicht mehr möglich gewesen. In
Köpenick wurden daher die Leistner-Gaslaternen 1989 auf Dauerbefeuerung umgestellt, da eine Fernzündung nun nicht mehr möglich war.
In den westlichen Stadtgebieten erreichte das Erdgas erst später die Laternen. In
Vorgriff auf die Umstellung wurden von 1990 bis 1993 die Laternen mit Dämmerungsschalter ausgerüstet. Jede Gaslaterne (ausser die Museumsleuchten beim Technikmuseum und in der Freilichtausstellung Tiergarten) erhielt
einen Lichtsensor, der über eine 1,5 V Batterie betrieben wird. bei Dunkelheit wird das Absperrventil elektronisch geöffnet, und ein elektrischer Zündfunke abgegeben. Im morgendlichen Sonnenlicht wird das Ventil
elektrisch wieder geschlossen, das Gaslicht erlischt.
Die Batterie wird im Zuge der regulären Wartungszeiträume (Reinigung der Gläser oder wechseln der Glühstrümpfe) gewechselt, und erfordern dadurch keinen
zusätzlichen Aufwand.
Der Lichtsensor ist leicht an der Gehäusekappe erkennbar. Wie ein Kunststoff-Schraubverschluss sitzt der Lichtsensor auf dem Gehäuse. Wenn eine Gaslaterne erloschen ist, kann man versuchen über
eine Taschenlampe den Lichtsensor eine halbe, besser eine ganze Minute anzustrahlen. Das Gasventil wird geschlossen. Anschliessend löst die Laternensteuerung nach wiederholter Öffnung der Gasversorgung einen erneuten
Zündfunken aus. Zündet die Laterne dann noch immer nicht, ist das Ventil defekt, die Batterie kraftlos oder die Glühstrümpfe defekt.
Frei stehende Reihenleuchten (RL 4-9) verfügen stellenweise auch über eine dauernde
Zündflamme.
Die modernen Gas- Stadtleuchten besitzen eine regenerative Energiequelle, die ein Wechseln der Batterie unnötig machen.